Dienstag, 31. Dezember 2013

Letzte Sätze #220

„Und so hielt ich ihre Hand, während wir weiterschlenderten, und ich dachte, dass niemand auf dieser Welt Maggie O’Brien das Wasser reichen konnte.“
Jack Webb, „Charme macht blind“

Montag, 30. Dezember 2013

Letzte Sätze #219

„Box nimmt einen tiefen, rasselnden Atemzug, dann setzt er seinen zerschlagenen Körper zum letzten Mal in Bewegung. Er geht ganz langsam, Spaten und Plastiktüte in der unverletzten Hand. Er hinterlässt eine Spur im langen, gelben Gras.“
Carl Nixon, „Settlers Creek“

Sonntag, 29. Dezember 2013

Letzte Sätze #218

„Wir rannten los, unsere Sandwiches in der einen, eine Büchse Cola Zero in der anderen Hand. Wir Millionäre für einen Tag.“
Elisabeth Herrmann, „Versunkene Gräber“

Freitag, 27. Dezember 2013

Letzte Sätze #217

„Auch für sich selbst schickte Tallow einen Rauchkringel in den Himmel der anderen, ehe er die Zigarette austrat und sich auf den Weg in den 1st Precinct begab.“
Warren Ellis, „Gun Machine“

Dienstag, 24. Dezember 2013

Aus gegebenem Anlass: Letzte Sätze #216

„Dot lehnte sich zurück und schloss die Augen, sie beachtete den Kaffee nicht. Und noch bevor sie an dem verlassenen Wagen des jungen Mannes vorbeifuhren, war er aus ihren unruhigen Träumen verschwunden, und an seine Stelle war eine wunderschöne Tasche voller Geld getreten.“
Scott Phillips, „Alles in einer Nacht“

Sonntag, 22. Dezember 2013

Letzte Sätze #215

„Nancy ließ sich langsam in den Sessel sinken und zog die Beine an. Den Ellbogen auf der Lehne, das Kinn auf die Handfläche gestützt, starrte sie hinaus auf den Swimming-Pool, den weitläufigen Rasen und den orangefarben glühenden Stecknadelkopf der Lampe vor dem nächtlichen Himmel. Ein Finger fuhr hoch zu ihrer Stirn und streichelte ihren dunkelbraunen Pony.“
Elmore Leonard, „The Big Bounce“

Samstag, 21. Dezember 2013

By the way ...

„Son, never trust a man who doesn’t drink because he’s probably a self-righteous sort, a man who thinks he knows right from wrong all the time. Some of them are good men, but in the name of goodness, they cause most of the suffering in the world. They’re the judges, the meddlers. And, son, never trust a man who drinks but refuses to get drunk. They’re usually afraid of something deep down inside, either that they’re a coward or a fool or mean or violent. You can’t trust a man who’s afraid of himself. But sometimes, son, you can trust a man who occasionally kneels before a toilet. The chances are that he is learning something about humility and his natural human foolishness, about how to survive himself. It’s damned hard for a man to take himself too seriously when he’s heaving his guts into a dirty toilet bowl.”
James Arthur Crumley, „The Wrong Case”

Freitag, 20. Dezember 2013

Letzte Sätze #214

„Die Pistole, entschied Roach schließlich, war doch nur ein Traum gewesen.“
John le Carré, „Dame, König, As, Spion“

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Letzte Sätze #213

„Ich ging ins Haus und drehte die Platte zum x-ten Mal um, drehte voll auf, ging wieder hinaus, zog den Schaukelstuhl auf den Hof, wickelte mich in meinen Mantel, schaute zum Himmel hinauf und versuchte, die Venus ausfindig zu machen, bevor der Tag zu Ende ging und es dunkel wurde.“
Joe R. Lansdale, „Wilder Winter“

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Letzte Sätze #212

„Wayne stellte sich auf die Zehenspitzen. Wayne fand ein Panoramafenster. Wayne hatte alles im Blick. Der Schlägerkopf beschrieb einen Bogen. Sein Vater schrie. Auf die Scheiben spritzte Blut.“
James Ellroy, „Ein amerikanischer Albtraum“

Sonntag, 15. Dezember 2013

Letzte Sätze #211

„Sein Finger drehte die Wählscheibe der Infusionsapparatur entschlossen über die rote Linie hinaus. Die Krähe war verschwunden, was gut war. Er hatte das Bedürfnis, auf einen leeren Himmel zu sehen. Er räusperte sich, sprach mit fester Stimme. ‚Zur Unendlichkeit.‘ Er flüsterte das Ende des Mantras. ‚Und darüber hinaus.‘“
Janwillem van de Wetering, „Die entartete Seezunge“

Samstag, 14. Dezember 2013

Letzte Sätze #210

„,Nein‘, sagte Cogan und trank sein Bier aus. ‚Nein, das war es nicht. Es war eher … Er wusste, wie man etwas richtig erledigt, verstehst du?‘ ‚Das habe ich auch gehört‘, sagte der Fahrer. ‚Und wenn es nicht richtig erledigt wurde‘, sagte Cogan, ‚dann wusste er, was zu tun war.‘ ‚Wie du‘, sagte der Fahrer. ‚Wie ich‘, sagte Cogan.“
George V. Higgins, „Ich töte lieber sanft“

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Letzte Sätze #209

„,Wie kann ein eifersüchtiger Mann gewinnen?‘, fragte Johnny. ‚Indem er auf sein Glück vertraut‘, antwortete der Anwalt. ‚Du bist schließlich der Spieler. Du solltest das wissen.‘ ‚Also gut, Freund‘, sagte Johnny, ‚hoffentlich hast du recht.‘“
Chester Himes, „Fenstersturz in Harlem“, in: Chester Himes, „Harlem-Romane“

Dienstag, 10. Dezember 2013

Montag, 9. Dezember 2013

Letzte Sätze #207

„Die Tatsache, dass Georges in seinem Stall mit 145 km/h um Paris herum fährt, weist nur darauf hin, dass Georges ein Kind seiner Zeit ist, und auch seines Raumes.“
Jean-Patrick Manchette, „Westküstenblues“

Sonntag, 8. Dezember 2013

Filmtipp: "Venus im Pelz"

Ein Regisseur und eine Schauspielerin, ein Vorsprechtermin, Sacher-Masochs einst indizierte Novelle: Das sind die Koordinaten für Polanskis multithematisches Verwirrspiel über Dominanz/Unterwerfung, Mann/Frau, Schein/Sein u. v. m. Wer führt Regie, wer wird zum Objekt? Grenzen und und Machtpositionen lösen sich auf, die Bühne vergisst sich selbst, ein leeres Theater wird zum Habitat knisternder Erotik. „Venus im Pelz“ - ein prickelndes Kammerspiel mit zwei großartigen Schauspielern (Amalric/Seigner) und herrlich spitzen Dialogen. 96 Minuten, die wie im Fluge vergehen, zu sehen in Bremerhaven in der „Passage“, in Bremen im „Atlantis“, in Hamburg im „Abaton“, „Elbe-Kino“ und „Passage“.



Freitag, 6. Dezember 2013

Letzte Sätze #206

„Cundo hatte offenbar mehr Frauenbekanntschaften gehabt, als Foley je für möglich gehalten hätte. Trotzdem hielt Foley Ausschau nach einem Mädchen mit gefärbtem Haar und dunkler Sonnenbrille.“
Elmore Leonard, „Road Dogs“

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Letzte Sätze #205

„,Ach, Gerechtigkeit!‘, sagt Berndorf. ,Damit Gerechtigkeit stattfinden kann, muss einer schon in die Grube fallen, die er anderen gegraben hat.‘“
Ulrich Ritzel, „Trotzkis Narr“

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Letzte Sätze #204

„Holger macht weiter Schürken. Er wird etwas ruhiger, sein Mund öffnet sich einen Spalt. Ganz langsam biegen sich seine Mundwinkel nach oben. Sieht aus wie Lachen.“
Norbert Horst, „Todesmuster“

Montag, 2. Dezember 2013

Letzte Sätze #203

„Dara sagte: ,Und das ist das Ende?‘ ,Wovon? Von deinem Film?‘ ‚Dschibuti.‘ ,Sieht so aus.‘“
Elmore Leonard, „Dschibuti“

Freitag, 29. November 2013

Letzte Sätze #202

„Ich legte den Umschlag auf den Tisch, sagte: ,Würden Sie das nachzählen?‘ Er zählte nach: ,Das ist viel Geld, Jack. Was wollen Sie? Soll jemand umgebracht werden?‘ Ich zündete mir eine Zigarette an, warf einen letzten Blick auf das Zippo, schob es zu Bill hinüber, sagte: ,Er heißt …‘“
Ken Bruen, „Jack Taylor liegt falsch“

Montag, 25. November 2013

Letzte Sätze #201

„Als er ausstieg, war Lindahl nicht mehr zu sehen. Parker fragte sich, wie weit er wohl kommen würde.“
Richard Stark, „Fragen Sie den Papagei“

Sonntag, 24. November 2013

Donnerstag, 21. November 2013

Letzte Sätze #199

„,Na?‘, sagt der Nachtportier halb bos- und halb kumpelhaft. ‚Hoffentlich haben Sie sich nicht übern Tisch ziehen lassen!‘ ‚Quatsch!‘, sagt Trimmel. ‚Gerade mal fünftausnachthunnert Eier bin ich losgeworden!‘ ‚Ich hab ihr ein Armband geschenkt …‘, lallt er, als ihm der Portier den Zimmerschlüssel gibt.“
Friedhelm Werremeier, „Taxi nach Leipzig“

Dienstag, 19. November 2013

Montag, 18. November 2013

Letzte Sätze #197

„Und dann, ich weiß nicht, ob diese Vision zustandekam, weil Aimée so blutüberströmt war oder vielleicht aus einem anderen Grund, nach einer Weile schien mir, dass sie nun ein scharlachrotes Kleid trug, ein Abendkleid, mit Pailletten besetzt vielleicht; und es erstrahlte goldenes Morgenlicht; auf hohen Schuhen erklomm die unverletzte, wunderschöne Aimée in ihrem scharlachroten Abendkleid leichtfüßig einen verschneiten Hang, der den Hängen des Mont Blanc ähnelte. SINNLICHE UND PHILOSOPHISCHE FRAUEN, AN EUCH WENDE ICH MICH.“
Jean-Patrick Manchette, „Fatal“

Montag, 11. November 2013

Letzte Sätze #196

„Und so gab es immer noch, wie man sieht, etwas Liebe auf dieser Welt.“
Derek Raymond, „Alptraum in den Straßen“

Sonntag, 10. November 2013

Letzte Sätze #195

„Erst mal musste sie dreißig Jahre absitzen.“
Derek Raymond, „Er starb mit offenen Augen“

Freitag, 8. November 2013

Letzte Sätze #194

„Und so endet dieser Tag, der für Fedder wie auch für etliche andere Personen das bestätigte, was Schopenhauer seinerzeit in der Schrift ‚Über die anscheinende Absichtlichkeit im Schicksale des Einzelnen‘ benannt hatte: Dass nämlich ‚das Schicksal des Einen zum Schicksal des Anderen passt, und jeder Held seines eigenen, zugleich aber auch Figurant im fremden Drama ist.‘“
Frank Göhre, „St. Pauli Nacht“, in: Frank Göhre, „Geile Meile“

Donnerstag, 7. November 2013

Koks statt Kommune: Dominique Manottis "Zügellos"

Koks statt Kommune

Sie waren die Guten, kämpften für die Revolution und wollten die Welt mit den Idealen des Pariser Mai beglücken. Zwei Jahrzehnte später ist in Dominique Manottis neuem Roman „Zügellos“ vom Geist der Revolte nichts übrig geblieben.

Während in Berlin die Mauer fällt, verlieren an der Seine Alt-68er den letzten Rest der Unschuld. Versicherungsbetrug, Drogenhandel, Mord – für Macht und Geld ist ihnen kein Mittel zu schmutzig. Agathe Renouard, die Aktivistin, die einst von einem Genossen im Stich gelassen, von den Flics kassiert und auf dem Revier vergewaltigt wurde, zieht im Jahr 1989 in den obersten Etagen eines großen französischen Versicherungskonzerns die Strippen und nimmt vor dem Hintergrund des sich öffnenden Eisernen Vorhangs die neuen Märkte im Osten Europas in den Blick. Geld statt Gerechtigkeit, Koks statt Kommune, Schampus statt Schaumwein lauten die neuen Koordinaten in Agathes Leben.
Und damit steht sie nicht allein: Im Frankreich der Ära Mitterrand sind den regierenden Sozialisten nicht nur ihre Ideale abhandengekommen. Auf der Jagd nach dem großen Geld überziehen politische Karrieristen und Wirtschaftseliten das Land mit einem System von Vetternwirtschaft und Korruption. Ein Milieu, dessen Verkommenheit sich Dominique Manotti nach „Roter Glamour“ nun schon zum zweiten Mal in einem ihrer rasanten Politthriller annimmt. „Zügellos“ heißt der Roman, der Platz eins der Krimizeit-Bestenliste belegte.
Die Mitterrand-Jahre hat die heute 70-jährige Autorin als Insiderin kennengelernt. Hinter dem Pseudonym Dominique Manotti verbirgt sich Marie-Noëlle Thibault, die viele Jahre die Pariser Sektion der sozialistischen Gewerkschaft CFDT leitete. Vom einstigen Hoffnungsträger der französischen Linken enttäuscht und vom amerikanischen Noir-Autor James Ellroy inspiriert, wandte sich die promovierte Wirtschaftshistorikerin der Literatur zu und debütierte 1995 mit dem Band „Hartes Pflaster“, der im Milieu der in Frankreich Sans-Papiers („Papierlose“) genannten illegalen Immigranten in Paris spielt. Hart, realistisch, atmosphärisch aufgeladen, aber auch akribisch in Bibliotheken und Archiven recherchiert, katapultierte dieser Roman Manotti auf Anhieb an die Spitze der Thrillerautoren, die in Europa politische Stoffe mit literarischem Anspruch verarbeiten.

 
 
 
Dominique Manotti schreibt keine Serienromane, mitunter begegnet man bereits eingeführtem Personal aber wieder. So auch in „Zügellos“, wo sie erneut Commissaire Daquin ermitteln lässt, den Manotti-Fans schon aus „Hartes Pflaster“ kennen. Ein schwuler, elegant gekleideter und Lebensgenüssen nicht abgeneigter Bulle, der allerdings auch nicht zimperlich ist, wenn ein Verdächtiger nicht spurt. Vor allem aber ein Bulle, der sich so schnell nicht einschüchtern lässt, wenn die Mächtigen mit den Muskeln spielen. Genau das tun sie in „Zügellos“ wieder, als Daquin seine Leute einer Drogenschwemme und dubiosen Immobiliendeals nachgehen lässt: Pferderennställe gehen in Flammen auf, ein Auto wird in die Luft gejagt, ein Lover Daquins ermordet – und der Kommissar selbst zu einem „Hintergrundgespräch“ in den Élysée-Palast gebeten. Von dort führen die von Koks gepuderten Spuren aber immer wieder zu Agathe Renouards Versicherungskonzern…
„Zügellos“ zeigt Manotti auf der Höhe ihres Könnens. Ihr knallharter Realismus beruht auf profundem Wissen und schaut hinter die Kulissen des politischen Establishments – Manottis Romane sind eine Art ins Fiktive transformierter Enthüllungsjournalismus. Wobei sie nicht den Fehler begeht, den Unterhaltung suchenden Leser mit dokumentarischem Anspruch zu langweilen – das würde das rasante Tempo des Romans nur stören. Auf der anderen Seite genießt der Leser aber auch eine von Andrea Stephani kongenial ins Deutsche übertragene Sprache, die an Klarheit und Prägnanz kaum zu übertreffen ist. Und weil die Französin obendrein Witz hat und pointierte Dialoge schreiben kann, kommt zum Erkenntnisgewinn das Lesever gnügen hinzu. Fazit: „Zügellos“ ist ein Politthriller vom Feinsten – intelligent, spannend, amüsant und lehrreich. Besseres können Krimifans beim Buchhändler derzeit nicht finden.
Dominique Manotti, „Zügellos“, Argument/ariadne, 286 Seiten, 18 Euro
(Nordsee-Zeitung, 2. November 2013, S. 8)

Dienstag, 5. November 2013

Letzte Sätze #193

„Es ist vorbei. Plötzlich steht Ann vor mir. Ich erschrecke mich wahnsinnig. Ich habe alles gesehen, sagt Ann und nickt nachdenklich. Ich kann das in Ordnung bringen, aber – sie macht eine bedeutungsvolle Pause. Aber das wird dich was kosten, eine Art Schweigegeld. SG, sagt sie. Ich verbuche es unter SG.“
Frank Göhre, „Zappas letzter Hit“

Samstag, 2. November 2013

Letzte Sätze #192

„Steh nicht auf, wenn du weißt, was gut für dich ist. Flimmernd fällt mir Schnee ins Auge. Ich betrachte den Himmel. Kein Flugzeug. Dafür ein Hubschrauber. Rotorblätter. Motorengeräusche. Sirenen. Autos. Quietschende Bremsen. Eine Tür, die zugeworfen wird. Stimmen. Schritte. Ich stehe auf.“
Adrian McKinty, „Der schnelle Tod“

Freitag, 1. November 2013

Letzte Sätze #191

„Du und ich, gemeinsam in der Stille der Dunkelheit. Und wenn wir an diesem Ort sind und dieser Augenblick gekommen ist, dann raunt Gevatter Tod beschwörend einen Namen – und der klingt irgendwie nicht wie meiner. Ich schließe die Augen. So könnte es kommen.“
Adrian McKinty, „Der sichere Tod“

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Letzte Sätze #190

„Demnächst werde ich ihn besuchen. Ich will nicht mit ihm sprechen. Ich sitze ihm gegenüber. Mein Herz schlägt gleichmäßig, und die Zeit, die vergeht, ist ganz auf meiner Seite. Anschließend kehre ich in meine Wohnung zurück und öffne alle Fenster. Es wird März sein. Und mitten am Tag.“
Friedrich Ani, „Süden und die Stimme der Angst“

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Letzte Sätze #189

„Tabor schüttelte den Kopf. Dann schlug er Martin gegen den Hinterkopf, und Martin schlug zurück, und das ging eine Zeitlang so weiter, und sie schwitzten noch mehr, und die Sonne schien auf sie herunter, als hätte sie sonst nichts vor, und schließlich liefen sie ins Gasthaus zurück, um ihr Spezi doch noch auszutrinken.“
Friedrich Ani, „M“

Sonntag, 27. Oktober 2013

Letzte Sätze #188

„Méndez beugte sich zu dem Grab hinab. Seine leicht zittrigen Finger streichelten den prächtigen Stein. Dort, zum Meer hin, befand sich das Grab von Eva Expósito. Ihr Name. Ihr - ungewisses - Geburtsdatum und das genaue Datum ihres Todes. Darunter ein einziges Wort: ,WEISE.‘“
Francisco González Ledesma, „Der Tod wohnt nebenan“

Samstag, 26. Oktober 2013

Letzte Sätze #187

„Die Januarsonne brannte auf sein Haupt. Er trotzte dem Wind, der vom Kanal her blies. Jetzt konnte er seine sieben Tage Trauer zu Ende bringen. Er klammerte sich an Daniel und Darl, klammerte sich an Marianna, und er wusste, was ihm im Präsidentenpalast am besten gefallen würde – der Duft nach Walnusskeksen aus der Küche des Weißen Hauses, mit Inez’ beiden Babys an seiner Seite.“
Jerome Charyn, „Unter dem Auge Gottes“

Dienstag, 22. Oktober 2013

Letzte Sätze #186

„Es ist schade, Brighton verlassen zu müssen, dachte Rita auf dem Weg zum Bentley. Aber er würde schon bald zur Strandpromenade zurückkehren. Schließlich gehörte Brighton ihm. So war es immer gewesen, so würde es immer sein.“
Mark Peterson, „Flesh & Blood“

Montag, 21. Oktober 2013

Letzte Sätze #185

„,Aufwachen, Mann! Wachen sie auf!‘ Ghote fuhr herum, spähte wild in diese, dann in jene Richtung. D. S. P. Samant stand unmittelbar unter ihm. Er befand sich auf dem Bahnsteig der Victoria Station. Sie waren zurück.“
H. R. F. Keating, „Inspector Ghote reist 1. Klasse”

Sonntag, 20. Oktober 2013

Letzte Sätze #184

„Wer mochte mich? Warum hatten sie mich am Leben gelassen? Warum hatten sie mich Inspector genannt? Darüber musste ich nachdenken. Genug Stoff für den langen Heimweg.“
Adrian McKinty, „Der katholische Bulle“

Freitag, 18. Oktober 2013

Letzte Sätze #183

„,Was wird jetzt mit mir passieren, Sergeant?‘ ‚Teufel, Pop‘, sagte Hoke nicht unfreundlich, ‚abgesehen von dem Papierkram ist es schon passiert.‘“
Charles Willeford, „Seitenhieb“

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Letzte Sätze #182

„Alles, was ihm jetzt in dieser Welt blieb, war die Zeit, den Wagen zu starten, fünfundsiebzigtausend Dollar und ein neuer Anfang.“
Garry Disher, „Gier“

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Letzte Sätze #181

„Heike schaltet das Radio ein. Das ist doch … Das ist doch ‚Counting Out Time‘ von ‚The Lamb‘. Wahnsinn. Erogenous zones I love you / without you, what would a poor boy do? / Found a girl I wanted to date / Thought I’d better get it straight … Was ist denn das für ein Sender? WDR 2. Sachen gibt es …”
Norbert Horst, „Leichensache”


Sonntag, 13. Oktober 2013

Letzte Sätze #180

„Zeit für Wyatt, das Messer aus der Scheide zu ziehen und es zu werfen.“
Garry Disher, „Dirty Old Town“

Dienstag, 8. Oktober 2013

True Crime

„Das ist Miss Bonnie Parker. Ich bin Clyde Barrow. Wir rauben Banken aus.“
Michaela Karl, „,Ladies and Gentlemen, das ist ein Überfall!‘ – Die Geschichte von Bonnie & Clyde“
(Dekonstruiert den Mythos, erhellt den sozialhistorischen Background und ist obendrein sehr unterhaltsam)
 
 

Montag, 7. Oktober 2013

Letzte Sätze #179

„Das Brüllen ebbte allmählich ab. Er wartete auf den einen Riesenschrei.“
James Ellroy, „Ein amerikanischer Thriller“

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Letzte Sätze #177

„,Er wusste, was er tat‘, sagte Karen. ,Keiner hat ihn gezwungen, Banken auszurauben. Du kennst den alten Spruch: Kannst du den Knast nicht ertragen, darfst du das Ding nicht wagen.‘ ,Mein kleines Mädchen‘, sagte ihr Dad, ,der Satansbraten.‘“
Elmore Leonard, „Out of Sight“

Mittwoch, 2. Oktober 2013

La musique de Montale XLVIII et fin


„Ich saß auf dem Sofa. Sie hatte „Amor verdadero“ von Rubén González aufgelegt. Mit geschlossenen Lidern, die rechte Hand in sanfter Schwebe über dem Bauch und die linke erhoben, bewegte sie sich kaum merklich. Nur ihre wiegenden Hüften versetzten den Körper in rhythmische Schwingungen. Ihren ganzen Körper. Ihre Schönheit in dem Moment nahm mir den Atem.“



Dienstag, 1. Oktober 2013

Letzte Sätze #176

„Ob ihn Wanda am Zürcher Flughafen erwartete, um seine Schulden einzutreiben?“
Peter Zeindler, „Abschied in Casablanca“

Montag, 30. September 2013

Letzte Sätze #175

„Und seine Schreie hallten von den Felswänden hinunter in die leeren Canyons und hinaus in die Einöde und verklangen in der sich dunkelnden Leere.“
James Carlos Blake, „Das Böse im Blut“

Donnerstag, 26. September 2013

Letzte Sätze #174

„Vom Weinen war sie ganz heiser, bekam kein Wort heraus, aber ihr Kopf bewegte sich zustimmend auf und ab. Und schließlich sagte sie in ihrem rauchigen, müden New Yorker Flüsterton einfach nur: ,Ja.‘“
Adrian McKinty, „Todestag“

Mittwoch, 25. September 2013

Letzte Sätze #173

„Er streichelte ihr die Wange, dann ging er rasch davon. Als er den St. George’s Park neben den Universitätsgebäuden erreichte, fing er an zu rennen.“
Massimo Carlotto, „Die Marseille Connection“

Banned Books Week 2013: 13 Authors Speak Out


Dienstag, 24. September 2013

Montag, 23. September 2013

Letzte Sätze #171

„Und dann hallte der trockene Knall eines Gewehrschusses durch die judäischen Berge.“
Robert Littell, „Die Söhne Abrahams“

Sonntag, 22. September 2013

La musique de Montale XLVII

„Ich hätte doch eine andere Musik einlegen sollen. Meine düsteren Gedanken mit kubanischen Rhythmen vertreiben. Guillermo Portabales. Francisco Repilado. Oder noch besser Buena Vista Social Club. Hätte ich doch. Meine Leben reduzierte sich auf dieses ,Hätte ich doch’.”



Samstag, 21. September 2013

Letzte Sätze #170

„Aber seine Gedanken schweiften nicht in die Zukunft, sondern zurück zu dem Augenblick vor seinem Aufbruch, als er die vertrocknete Pflanze, die in ihrer dunklen Ecke unter der Galerie seines Hauses vor sich hin welkte, beherzt gepackt und in die Mülltonne geworfen hatte.“
Robert Wilson, „Andalusisches Requiem“

Donnerstag, 19. September 2013

Letzte Sätze #169

„Mit schrillem Aufschrei sprang ich an den Tisch und riss die Schachtel an mich, die dort lag. Aber es wollte mir nicht gelingen, sie zu öffnen. Und sie entglitt meinen zitternden Händen und schlug hart zu Boden und sprang in Stücke. Und heraus rollten klappernd zahnärztliche Instrumente und zweiunddreißig kleine, weiße, elfenbeinschimmernde Dinger und verstreuten sich rings auf den Fußboden …“
Edgar Allan Poe, „Berenice“, in: „Der Untergang des Haues Usher“

Dienstag, 17. September 2013

Letzte Sätze #168

„Das Surren hing noch in der Luft, als vom Wald her der Fuchs kam.“
Uta-Maria Heim, „Totenkuss“

Montag, 16. September 2013

Letzte Sätze #167

„,Was ist los‘, fragte Shelly.
‚Ich war heute Abend mit jemandem zum Essen verabredet. Das hab ich völlig vergessen.‘
‚Du kannst ihn doch morgen anrufen.‘
‚Ich hab seine Nummer nicht.‘“
Walter Mosley, „Manhattan Fever“

Sonntag, 15. September 2013

La musique de Montale XLVI

„Wir fuhren Stoßstange an Stoßstange und unter großem Gehupe. Seit der Corniche waren in beide Richtungen nur noch lange Autoschlangen. Die ganze Stadt schien in den Eiscafés, Bars und Restaurants an der Küste verabredet zu sein. Bei dem Tempo würde ich meinen gesamten Kassettenvorrat aufbrauchen. Ich war von Pinetop Perkins zu Lightnin‘ Hopkins übergegangen. ‚Darling, Do You Remember Me?‘“


Freitag, 13. September 2013

Letzte Sätze #166

„Sie sagte: ‚Kennst du ‚Frankenstein Junior‘? Das Monster vögelt mit dieser, wie heißt sie noch? Und sie fängt an zu singen, von wegen, sie hat das süße Geheimnis des Lebens gefunden.‘ ‚Wieso musst du denn jetzt daran denken?‘ ‚Weiß ich auch nicht‘, sagte Jackie.“
Elmore Leonard, „Raylan“

Donnerstag, 12. September 2013

Letzte Sätze #165

„Er sah seinen Bruder an, der geradeaus aufs Meer blickte und dem die Tränen liefen. Aber vielleicht kam das auch vom Wind.“
Norbert Horst, „Splitter im Auge“

Mittwoch, 11. September 2013

Letzte Sätze #164

„Ich stützte die Arme auf das Geländer der Ha’penny Bridge, wo man früher einen halben Penny bezahlen musste, um die Liffey zu überqueren, ich sah das Zollhaus und den sich unaufhörlich bewegenden Lichterstrom und den stetigen dunklen Wellenschlag des Flusses unter dem fallenden Schnee, und ich hoffte bei Gott, dass wir alle auf die eine oder andere Art unseren Weg zurück nach Hause finden würden, ehe es zu spät war.“
Tana French, „Sterbenskalt“

Montag, 9. September 2013

Letzte Sätze #163

„‚Wo geht er hin?‘ ‚Ich bezweifele, dass er das selber weiß‘, entgegnete Cornell und sah Stick nach, der den Rasen zur Einfahrt überquerte, bis er hinter der Garagenecke und aus seinem Blickfeld verschwunden war. Da hast du’s wieder, dachte Stick.“
Elmore Leonard, „Sie nannten ihn Stick“

Mittwoch, 4. September 2013

Letzte Sätze #162

„,Guten Tag, Sergeant‘, antwortete ich. Ich faltete das Taschentuch auf dem Tresen auseinander, und Berenice’ Finger rollte heraus. ‚Ich möchte ein Verbrechen gestehen, ein Verbrechen aus Leidenschaft.‘“
Charles Willeford, „Ketzerei in Orange“

Montag, 2. September 2013

Letzte Sätze #161

„Die Venus erschien am roten Himmel, der Mond senkte seinen spitzen Kiel, und im Hintergrund saß ein Steinschmätzer und sang.“
Adrian McKinty, „Ein letzter Job“

Freitag, 30. August 2013

Letzte Sätze #160

„Wie ein wildes Tier, das ist der Trieb, ich bin wieder los … immer wieder.“
Andrea Maria Schenkel, „Kalteis“

Donnerstag, 29. August 2013

Letzte Sätze #159

„Wie gesagt, Loyalität ist heutzutage selten und wird häufig unterschätzt. Zumindest in meiner Branche. Wollen sie meine Meinung hören? Loyalität ist unbezahlbar. Und mein Zinnsoldat und seine Kumpels sind loyal. Jedenfalls hoffe ich das, verdammte Scheiße …“
Howard Linskey, „Crime Machine“

Mittwoch, 28. August 2013

Letzte Sätze #158

„‚Du weißt ja, je schlechter der Mensch, desto größer das Glück.‘“
Andrea Maria Schenkel, „Täuscher“

Dienstag, 27. August 2013

Letzte Sätze #157

„Ich schwankte zurück an den Tisch – meine Hand fiel auf einen zersprungenen und schwarz angelaufenen Becher – und die Erkenntnis der ganzen entsetzlichen Wahrheit flammte plötzlich durch meine Seele.“
Edgar Allan Poe, „Das Stelldichein“, in: Edgar Allan Poe, „Der Untergang des Hauses Usher und andere Geschichten von Schönheit, Liebe und Wiederkunft“

Montag, 26. August 2013

Letzte Sätze #156

„‚Steh auf‘, sagte er. ‚Mach mir was zu essen.‘“
David Goodis, „Der Mond in der Gosse“

Sonntag, 25. August 2013

Samstag, 24. August 2013

Letzte Sätze #154

„Antony grinste den Freund an. ‚Falls jemand umgebracht wird‘, sagte er, ‚gib mir Bescheid. Ich bin gerade auf den Geschmack gekommen.‘“
A. A. Milne, „Das Geheimnis des roten Hauses“

Freitag, 23. August 2013

Addicted to Graphic Noir

Dumm gelaufen: Ein Gangster ist nach einem großen Coup auf der Flucht vor Flics und Kollegen, die ihm seine Beute abjagen wollen. Unterschlupf sucht er auf einem Bauernhof, doch die Bewohner des einsamen Anwesens erweisen sich schnell als gewaltschwangerer Alptraum aus Schwachsinn, Gier und Geilheit … „Bleierne Hitze“ (Edition 52), Barus grafische Umsetzung des Jean-Vautrin-Romans „Canicule“ (1982), von Yves Boisset 1984 mit Lee Marvin in der Hauptrolle verfilmt („Dog Day – Ein Mann rennt um sein Leben“), ist ein Graphic Noir comme il faut: Schon die gleißende Sonne der Anfangspanels lässt die bedrohliche Atmosphäre aufscheinen, die sich später in einem Mix aus Tristesse, Wahnsinn und Brutalität materialisiert. Eine bitterböse, mit derbem Witz und prallen Bildern erzählte Story, aus der es kein Entkommen gibt. Bezeichnend für die Gattung Mensch, dass es ein Happy End hier nur für die Sau gibt.
Baru/Jean Vautrin, „Bleierne Hitze“, Edition 52
 

Mittwoch, 21. August 2013

Letzte Sätze #153

"Das erste Lied, das sie hörte, war von Édith Piaf und hieß 'Parlez-moi d'amour'. Sie verließ die Avus an der nächsten Ausfahrt, wendete und fuhr die Stadtautobahn hoch Richtung Prenzlauer Berg."
Elisabeth Herrmann, "Zeugin der Toten"

Freitag, 16. August 2013

Über den Kriminalroman

"Es gibt keine Kunst ohne Publikumsgeschmack, und es gibt keinen Publikumsgeschmack ohne einen Sinn für Stil und Qualität. Seltsam genug scheint dieser Sinn für Stil nur sehr wenig mit Bildung oder gar mit Humanität zu tun zu haben. Es kann ihn in einem wilden und schmutzigen Zeitalter geben, aber nicht geben kann es ihn in der Coca-Cola-Epoche ... der Epoche des 'Buches des Monats' und der Hearst-Presse. Es kann ihn nicht geben in einem Zeitalter, dessen beherrschende Note vulgäre Betriebsamkeit ist und vollkommen skrupelloses Gebalge um den Dollar, einem Zeitalter, in dem die typische Familie der Mittelschicht (auf jeden Fall in Kalifornien) nur dem einen Zweck zu leben scheint, sich ein großes, protziges und teures Auto zu halten, das als technische Apparatur doch nur altmodischer Schrott ist."
Raymond Chandler an James Sandoe, 16. Juni 1949, in: Raymond Chandler, "Die simple Kunst des Mordes", herausgegeben von Dorothy Gardiner und Kathrine Sorley Walker

Donnerstag, 15. August 2013

Letzte Sätze #152

"Die Concierge kommt regelmäßig und bringt mir Essen. Charlotte kommt auch, im Durchschnitt mehrmals in der Woche, obwohl in letzter Zeit etwas seltener. Vielleicht gehen wir zusammen ins Bett, wenn der Gips ab ist. Doch momentan bin ich vor allem müde."
Jean-Patrick Manchette, "Knüppeldick"

Dienstag, 13. August 2013

Letzte Sätze #151

"Sie lachte laut auf und kniff ihn in seine kräftigen, fetten Arme. 'Daddy, mach dir keine Sorgen. Was kümmert mich die alte Truhe voller Golderz, wenn ich dich hab.'"
Chester Himes, "Die Geldmacher von Harlem"

Montag, 12. August 2013

Letzte Sätze #150


 "Am nächsten Tag bedeckte Schnee den Boden von Empty Mile. Und am Tag danach schlossen Marla und ich die Blockhütte ab, stiegen in den Pick-up ein und verließen Oakridge in Richtung Osten."
Matthew Stokoe, "Empty Mile"

Samstag, 10. August 2013

Letzte Sätze #149

"Niemand kennt mich dort, und wer dort kein Geld hat, den will auch niemand kennen. Und deshalb wird es mir am Ende dort leichter fallen als irgendwo sonst auf der Welt, endgültig loszuwerden, was ich ohnehin nie besessen habe: eine Identität."
Georg M. Oswald, "Alles was zählt"

Freitag, 9. August 2013

Letzte Sätze #148

"Die Erinnerungsstücke, die Gaffaney umklammerte, machten die Umarmung etwas kümmerlich, aber er schaffte es trotzdem, seine Arme um den schluchzenden Mann zu legen. Er empfand diese einfache Geste wie einen Akt der Gnade für alle, die sie verloren hatten, alle, die ihre steinernen Herzen gebrochen hatten."
James Ellroy, "Hügel der Selbstmörder"

Donnerstag, 8. August 2013

Krimikalender

Erik Schäffler liest aus Chandlers "Der große Schlaf", Dienstag, 27. August, 20 Uhr, Speicherstadt Kaffeerösterei, Kehrwieder 5, 20457 Hamburg

Aus der Ankündigung:
"Im Juli wäre Raymond Chandler 125 Jahre alt geworden. Schwierig, sich vorzustellen, wie die Kriminalliteratur ohne ihn aussehen würde. Mitte 30 war er, ein in der großen Wirtschaftskrise arbeitslos gewordener Geschäftsmann in Sachen Öl, als er 1932 zu schreiben begann. Sein erster Roman, "The Big Sleep", erschien 1939. Erstmals trat hier der Privatdetektiv Philip Marlowe auf, unsterblich gemacht von Humphrey Bogart… Grund genug, ihn endlich wieder einmal zu lesen - und ausführlich über sie zu sprechen, Marlowe und Chandler.
Erik Schäffler, Schauspieler, Sprecher, Theaterautor und Theaterregisseur schuf mit "Musterschüler" die erste deutschsprachige Theaterbearbeitung eines Stephen King-Stoffes; er war etliche Male im Fernsehen zu sehen, ist auf allen Hamburger Bühnen zu Gast - und spielt, passend zum Thema, seit 1994 den "Teufel" im "Hamburger Jedermann" …"
Alles Infos gibt's auch hier: www.schwarzenaechte.de


Passend zum Thema unser Chandler-Text aus der Nordsee-Zeitung vom 22. Juli:


Ein Engel in der Gosse
„Der Größte“, „der Beste“, „ein Engel in der Gosse“: Seine Schriftstellerkollegen verehren ihn hymnisch. Am morgigen Dienstag feiert die Krimiwelt den 125. Geburtstag von Raymond Chandler.

Ein im Rollstuhl sitzender General beauftragt einen Detektiv, weil seine Tochter erpresst wird. Ein gefährlicher Job: Kaum, dass sich der Ermittler der Sache angenommen hat, stolpert er schon über die erste Leiche. Es geht nicht nur um Nacktfotos, auch Drogen, Glücksspiel und viel Geld sind im Spiel. Und dann hat der General noch eine zweite Tochter, die man in der Halbwelt von Los Angeles ebenfalls ganz gut kennt …
Wem das irgendwie bekannt vorkommt, hat Raymond Chandlers (1888 – 1959) Krimiklassiker „Der große Schlaf“ gelesen oder – was wahrscheinlicher ist – eine seiner Verfilmungen mit dem unvergesslichen Humphrey Bogart („Tote schlafen fest“, 1946, mit Lauren Bacall) oder auch Robert Mitchum (1979) gesehen. Der 1939 erschienene Roman war das erste Werk Chandlers mit dem schlagfertigen Melancholiker Philip Marlowe, der zur Ikone des hartgesottenen („hard-boiled“) Privatdetektivs werden und Generationen von Kriminalschriftstellern beeinflussen sollte.

Chandler, 1888 in Chicago geboren, wuchs in Europa auf – seine Mutter, eine Irin, war mit dem Sohn nach London gezogen, nachdem sie von Chandlers Vater verlassen worden war. Beamter im  britischen Marineministerium, Journalist, Buchhalter, Soldat der kanadischen Air Force, Vize-Direktor einer Ölfirma in Kalifornien – das waren Chandlers berufliche Stationen, bevor der lebenslang mit dem Alkohol kämpfende Moralist Anfang der 30er Jahre wegen Sauftouren und Frauengeschichten seinen Job zu vernachlässigen begann und schließlich entlassen wurde.
Chandler schrieb nun erste Kriminalgeschichten und veröffentlichte sie im legendären Pulpmagazin „Black Mask“, in dem schon Dashiell Hammett debütiert hatte.  Fingerübungen sozusagen, die noch kein Geld brachten, aber schon die stilistische Brillanz des späteren Romanautors erahnen lassen. Dann, 1939, der erste große Aufritt von Philip Marlowe  („Der große Schlaf“) – und gleich ein Meisterwerk.

Wer ist nun dieser Philip Marlowe? „Ich habe eine Lizenz für private Ermittlungen und betreibe das Geschäft schon ziemlich lange. Ich bin ein Einzelgänger, mittleren Alters und nicht reich. Ich habe schon mehrmals gesessen, und ich übernehme keine Scheidungsfälle“, stellt sich Chandlers berühmter Privatdetektiv selbst vor. Seine wichtigsten Eigenschaften – moralische Integrität und mangelnder Respekt vor Macht und Geld – deutet er nur an, seine Schwäche für Whiskeyflaschen und femmes fatales verschweigt er ganz.
Klar, dass so ein Mann, der es mit den Schattenseiten des sonnigen Los Angeles zu tun bekommt, sich dabei aber – im Gegensatz zu vielen seiner Berufskollegen – nie auf krumme Dinger einlässt, auf keinen grünen Zweig kommt: „Ich brauchte einen Drink, ich brauchte eine hohe Lebensversicherung, ich brauchte Urlaub, ich brauchte ein Häuschen auf dem Land. Was ich hatte, waren eine Jacke, ein Hut und eine Pistole.“

Auf „Der große Schlaf“ folgten sechs weitere Philip-Marlowe-Romane:  „Lebwohl, mein Liebling“ (1940), „Das hohe Fenster“ (1942), „Die Tote im See“ (1943), „Die kleine Schwester“ (1949), „Der lange Abschied“ (1953) und „Playback“ (1958). Daneben schrieb Chandler mit geschliffenen Dialogen gespickte Drehbücher für Hollywood- und Noir-Klassiker wie Billy Wilders „Frau ohne Gewissen“ (1944), George Marshalls „Die blaue Dahlie“ (1946) und Alfred Hitchcocks „Der Fremde im Zug“ (1951).
Chandler verlieh dem Kriminalroman eine ästhetische Dimension und schuf mit Philip Marlowe den Archetypus des unbestechlichen „private eye“. Vor allem aber sind es Sätze wie „Es war eine Blondine. Eine Blondine, wegen der ein Bischof ein Loch ins Kirchenfenster getreten hätte“, die seine Leser immer wieder zu ihren zerfledderten Paperback-Bänden greifen lassen, ohne die eine gute Kriminalbibliothek nicht vollständig wäre. Chandler, so viel steht fest, macht süchtig. Denn: „Keine Falle ist so tödlich wie die, die man sich selber stellt.“
 

Montag, 5. August 2013

Letzte Sätze #147

"Sie besiegelten den Deal mit einem Handschlag. Es war ein Anfang."
Michael Koryta, "Blutige Schuld"

Sonntag, 4. August 2013

Addicted to Graphic Noir

Jung, weiblich, kriminell: Ein Duo Infernale der besonderen Art macht die Pariser Museen unsicher. Und die Coups werden immer gewagter: Nun will ein Auftraggeber Ingrès' "Die große Odaliske" aus dem Louvre haben ... Witzig, sexy und voller Action: Bastien Vivès und das Zeichner- und Autorenteam Ruppert & Mulot katapultieren den Leser in atemberaubendem Tempo durch eine Geschichte, die so leicht daherkommt, aber alles andere als easy ist. Ein Noir nach dem Motto: "Das Wichtige im Leben ist nicht, was man tut, sondern mit wem man es tut."
Vivès/Ruppert & Mulot, "Die große Odaliske", Reprodukt

Freitag, 2. August 2013

Letzte Sätze #146

"Die Richter und ihre Henker. Auge um Auge, Zahn um Zahn."
Leif GW Persson, "Der sterbende Detektiv"

Mittwoch, 31. Juli 2013

Letzte Sätze #145

"Das ist meine Rache, und ich freue mich daran. Eine kleine Rache, zugegeben. Aber ich stehe dazu, ein mittelständischer Kleinbürger zu sein, dessen Leben sich zwischen kleinen Freuden und kleinen Rachefeldzügen abspielt."
Petros Markaris, "Der Großaktionär"

Dienstag, 30. Juli 2013

Letzte Sätze #144

"Zwar werden die Zeiten in absehbarer Zeit bestimmt nicht besser, doch zumindest können meine Tochter und Mania dafür kämpfen, dass es nicht noch schlimmer kommt."
Petros Markaris, "Zahltag"

Montag, 29. Juli 2013

Letzte Sätze #143

"Ich wurde hin und her geschleudert, überall Schmerzen, ein dumpfer Schlag gegen meinen Kopf, und noch einer, ich schob meine geballten Fäuste hin und her, um meinen Kopf zu schützen, ich lächelte ansatzweise, zog mich an einen sicheren Ort in meinem Kopf zurück und sah die Schuhsohle zu spät, die auf mein Gesicht zielte."
Deon Meyer, "Dreizehn Stunden"

Donnerstag, 25. Juli 2013

La musique de Montale XLV


„Die Lage in den nördlichen Vierteln hatte sich wieder angespannt. Sie spitzte sich täglich zu. Man brauchte nur jeden Morgen die Zeitung aufzuschlagen. Verwüstete Schulen in Saint-André, Angriffe auf Ärzte im Nachtdienst in La Savine oder städtische Angestellte in La Castellane, bedrohte Nachtbusfahrer. Dazu die im Verborgenen zunehmende Verbreitung von Heroin, Crack und all diesen Schweinereien, die den Jungs der Vorstädte Mut einimpften. Und den Verstand raubten. ‚Die beiden großen Plagen von Marseille‘, grölten die Rapper der Marseiller Gruppe IAM unaufhörlich, ‚sind Heroin und Front National.‘ Alle, die mit Jugendlichen zu tun hatten, spürten die Explosion nahen.“




Mittwoch, 24. Juli 2013

Letzte Sätze #142

"Und er nahm die Flasche Whisky und machte sich auf den Weg zu seinem Auto."
Reginald Hill, "Der Wald des Vergessens"

Dienstag, 23. Juli 2013

Letzte Sätze #141

"'Kommt er durch?', hörte er sich fragen. 'Sagen Sie mir, dass er durchkommt ...'"
Ian Rankin, "Ein Rest von Schuld"

Montag, 22. Juli 2013

Letzte Sätze #140

"Sie haben die Leiche aus dem Keller geschafft, und man hat sie in einem Feld verscharrt und über dem Grab die Rüben wieder sorgfältig eingepflanzt."
Jean-Patrick Manchette, "Die Affäre N'Gustro"

Sonntag, 21. Juli 2013

Letzte Sätze #139

"Auf dem Weg zur Stadt hinunter hielt ich vor einer Bar und trank ein paar doppelte Scotch. Sie halfen mir auch nicht weiter. Sie erweckten in mir nur die Erinnerung an Silberperückchen, und ich habe sie nie wiedergesehen."
Raymond Chandler, "Der große Schlaf"

Samstag, 20. Juli 2013

La musique de Montale XLIV

"Draußen knallte mir die Sonne voll ins Gesicht. Ich hatte den Eindruck, das Leben wieder gefunden zu haben. Das richtige Leben. Wo das Glück aus einer Ansammlung kleiner, unbedeutender Nichtigkeiten besteht. Ein Sonnenstrahl, ein Lächeln, Wäsche, die vor einem Fenster trocknet, ein Junge, der eine Konservendose vor sich her kickt, eine Melodie von Vincent Scotto, ein leichter Windstoß unter den Rock einer Frau ..."



Freitag, 19. Juli 2013

Donnerstag, 18. Juli 2013

Letzte Sätze #137

"Draußen hörte ich die Kinder singen:
'Am besten läuft man so wie wir, setzt einen Fuß vor den anderen und beginnt wieder von vorn.'"
Patrick Pécherot, "Belleville - Barcelona"

Mittwoch, 17. Juli 2013

Letzte Sätze #136

"Ich nahm den Hörer ab und begann, die nötigen Anrufe zu machen."
Ross Macdonald, "Dornröschen war ein schönes Kind"

Dienstag, 16. Juli 2013

Letzte Sätze #135

"Kamerad. Das klang komisch. Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen, während sich mich festnahmen.
Kameraden ..."
Patrick Pécherot, "Boulevard der Irren"

Sonntag, 14. Juli 2013

Letzte Sätze #134

"Das wird die sensationellste Story, die je geschrieben wurde!"
Georg M. Oswald, "Party Boy"

Samstag, 13. Juli 2013

Letzte Sätze #133

"Im Schlaf hat er gerade die Position 'Anschlag liegend' eingenommen."
Jean-Patrick Manchette, "Position: Anschlag liegend"

Freitag, 12. Juli 2013

Letzte Sätze #132

"Und dann schlief er ein, um nie wieder aufzuwachen."
Anne Holt, "Die Wahrheit dahinter"

Donnerstag, 11. Juli 2013

Marseille und sein Krimi-Poet


Marseille: Die Gangsterhauptstadt Frankreichs lockt in diesem Jahr als Kulturhauptstadt Europas die Touristen. Ein Geheimtipp für Liebhaber war die Hafenmetropole am Mittelmeer schon immer. Wer sie wirklich verstehen will, sollte vielleicht die Romane von Jean-Claude Izzo lesen.
„Woher man auch kommt, in Marseille ist man zu Hause“, schreibt Jean-Claude Izzo. Der Mann muss es wissen, denn Marseille war seine Stadt. Hier wurde er 1945 geboren, hier starb er im Jahr 2000 – dazwischen lebte und liebte er Marseille. Marseille, das war für Izzo, dessen Vater italienischer Herkunft war und dessen Mutter aus Spanien stammte,  „ein Hafen der Exilanten“, eine „offene Tür“, ein Ort für Toleranz und Menschlichkeit, kurz : „Marseille ist meine Weltkultur.“
 
Als Journalist lernte Izzo auch die dunkle Seite der Stadt kennen. Insiderwissen, das sich in Drehbüchern und Romanen niederschlug, von denen die drei Bände „Total Cheops“, „Chourmo“ und „Solea“ die bekanntesten sind.  Izzos „Marseille-Trilogie“, mit Alain Delon in der Hauptrolle verfilmt, erzählt die Geschichte des Polizisten Fabio Montale, der gegen Korruption, Rassismus und organisiertes Verbrechen kämpft.

Montale, der wie Izzo einer Migrantenfamilie entstammt, ist ein Mann der Straße. Ein Flic, der seine Herkunft aus dem ärmlichen Panier-Viertel, dem „alten Herzen von Marseille“, nicht vergessen hat. Auch nicht, dass er als Jugendlicher hier mit Freunden selber ein paar krumme Dinger gedreht hat. Und dass er Verständnis aufbringt für die gegen ihr gesellschaftliches Abseits aufbegehrenden Jugendlichen der Vorstädte, bringt ihn natürlich in Konflikt mit dem Polizeiapparat, bis er schließlich den Dienst quittiert …

Die „Marseille-Trilogie“ ist spannende, temporeiche, glänzend geschriebene Kriminalliteratur in der Tradition von Autoren wie Leonardo Sciascia und dem französischen Neo-Polar Jean-Patrick Manchettes. Sie ist aber auch ein Reiseführer in ein Marseille jenseits der über die Stadt wachenden Notre-Dame de la Garde, „die tagsüber in der Sonne und nachts unter den Scheinwerfern glänzt“. Mit Montale flaniert der Leser nicht nur am Alten Hafen entlang und schlendert über die Canebière, er steigt eben auch ins Panier-Quartier empor. Jenes Viertel, das die Deutschen Izzo zufolge 1943 am liebsten abgerissen hätten, „weil sie es wegen der engen Gassen nicht kontrollieren konnten“.
 
Wer mit Izzo Marseille besucht, wird sich nicht in den Touristenrestaurants neppen lassen. Stattdessen lernt er die wahre Küche der Hafenstadt kennen – in kleinen Lokalen und Garküchen, deren Speisekarten nicht üppig, aber typisch sind. Angefangen bei den „tausend möglichen Rezepten der Bouillabaisse“ über Couscous und nordafrikanische Tajine bis zur Paella oder schlichten Nudeln mit Fleischbällchen. Wichtig ist für Izzo bei Tisch vor allem eines: „Essen ist ein Fest.“ Egal, ob „zu Hause oder im Restaurant, in der Familie oder unter Freunden“. Ein Fest ist für den Genießer auch der Besuch der Märkte mit ihrem „Aufruhr der Sinne“. Dort, wo man die „Seele der Stadt“ findet,  stehen bei Izzo neben Fisch, Fleisch, Gemüse und Kräutern stets drei Dinge auf dem Einkaufszettel: Knoblauch, Basilikum und Rotwein.

Marseille ist für Izzo aber auch eine Stadt der Musik – mit einer ganz eigenen Vielfalt der Genres und Stile. Eine Stadt, die „multikulturell, multirassisch und zwangsläufig multimusikalisch“ ist, hat neben Verdi und Mainstream-Pop eben auch Rap, Raï, Ragga ebenso wie brasilianische Musik, Flamenco-Jazz und italienische Tanzmusik zu bieten. Auch die Montale-Romane sind von einem vielgestaltigen Soundtrack unterlegt – und nicht von ungefähr sind zwei Bände nach Musiktiteln benannt: „Chourmo“ ist ein Album der Marseiller „Massilia Sound System“-Rapper, „Solea“  ein Stück von Miles Davis.
Der schon in den 80ern und frühen 90ern geplanten Modernisierung Marseilles durch zugereiste Stadtplaner und einheimische Geschäftemacher stand Izzo mehr als skeptisch gegenüber. Er tröstete sich damit, „den alten Leuten zuzuhören, die erklären, dass dieses Großprojekt (…) nicht vorankommen wird. Das macht der Wahnsinn dieser Stadt“.  Deshalb wäre der literarische Sohn des alten Marseille sicher nicht mit allem einverstanden gewesen, was unter dem Vorwand des Kulturhauptstadtjahres abgerissen oder neu gebaut wurde. Und er hätte sich geärgert, dass die Jugend der Vorstädte wieder mal von den gigantischen Investitionen kaum profitiert.

Marseille wende dem Kontinent den Rücken zu, die Stadt schaue stattdessen aufs Mittelmeer – das war Izzos Grundüberzeugung. Deshalb hätte er dem spektakulärsten Neubau, dem neuen „Musée des civilisations de l’Europe et de la Méditerranée (MuCEM, Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers) seine Zustimmung wohl nicht völlig verweigert – unter einer Bedingung: dass man aus dem Mittelmeer nicht „eine Grenze zwischen Orient und Okzident macht, zwischen Morgenland und Abendland; und uns von Afrika und Kleinasien abschnürt“.
Allerdings hätte er dem Marseille-Touristen ganz sicher geraten, vor dem Besuch des dem mittelalterlichen Fort Saint-Jean gegenüberliegenden Glasbaus sich zunächst mal im Panier und den anderen Altstadtquartieren treiben zu lassen. Bei einem Pastis in einer der schlichten, aber authentischen Bars, die man hier noch findet, hätte er dann gesagt: „Weißt du, Marseille muss man in sich eindringen lassen.“

Jean-Claude Izzo, „Die Marseille-Trilogie: Total Cheops. Chourmo. Solea”, 669 Seiten, Unionsverlag, 14,95 Euro.

(Text leicht gekürzt erschienen in: Nordsee-Zeitung, 10. Juli 2013, S. 4)

Letzte Sätze #131

"Die Kleine. Ich darf die Kleine nicht aus den Augen verlieren."
Dieter Paul Rudolph, "Arme Leute"

Sonntag, 7. Juli 2013

Letzte Sätze #130

"Er wusste nicht, wohin er ging; es war ihm auch völlig gleichgültig."
David Goodis, "Schwarzer Freitag"

Samstag, 6. Juli 2013

Letzte Sätze #129

"'Er war ein netter Kerl, stimmt's?', sagte Rocco im Plauderton, und sein Blick glitt über die Menge. 'Wer, zum Teufel, soll so jemanden schon umlegen wollen?'"
Richard Price, "Clockers"

Donnerstag, 4. Juli 2013

Letzte Sätze #128

"Noch eine Runde. Le Dem hebt sein Glas.
'Wenn man unter Reitern anstößt, was ziemlich oft vorkommt, sagt man: ›Auf unsere Pferde, auf unsere Frauen, und auf die, die sie besteigen.‹'
Wieherndes Gelächter."
Dominique Manotti, "Zügellos"

Dienstag, 2. Juli 2013

La musique de Montale XLIII


„Sie waren zu acht. Sechzehn bis siebzehn Jahre alt. Sie kamen vom Alten Hafen herauf. Wir warteten in der Metrostation des Bahnhofs Saint-Charles auf sie. Sie hatten sich im vorderen Teil eines Wagens breit gemacht. Auf den Sitzen stehend schlugen sie zum Rhythmus aus dem Kassettenrecorder gegen Wände und Scheiben, als seien es Trommeln. Die Musik im Blut. Rap, natürlich. IAM erkannte ich. Eine Top-Band aus Marseille. Sie war oft auf Radio Grenouille zu hören, dem Gegenstück zu Nova in Paris. Es brachte alle Rap- und Ragga-Gruppen aus Marseille und dem Süden. IAM, Fabulous Trobadors, Bouducon, Hypnotic, Black Lions. Und Massilia Sound System, die im Milieu der Fanclubs der Ultras in der südlichen Kurve der Radrennbahn geboren wurden. Das Ragga- und Hip-Hop-Fieber hatte von der Gruppe auf Anhänger von Olympique Marseille und schließlich auf die ganze Stadt übergegriffen.
(…)
Und es schlug und schlug im Zug. Tam, tam, tam aus Afrika, der Bronx und vom Mars. Rap war nicht mein Fall. Aber die Texte von IAM, das musste ich zugeben, kamen gut. Schön und gut. Außerdem hatten sie Groove, wie man sagt. Ich brauchte nur den beiden Jungen zusehen, die vor meiner Nase tanzten.
Die Passagiere hatten sich in den hinteren Teil des Wagens zurückgezogen. Sie senkten die Köpfe, als hörten und sähen sie nichts. Sie dachten sich trotzdem ihren Teil. Aber wozu das Maul aufreißen? Um einen Messerstich zu kassieren? An der Station zögerten die Leute einzusteigen. Sie drängten sich im hinteren Teil zusammen. Seufzend und zähneknirschend, im Kopf den Traum einer Tracht Prügel. Und von Mordgelüsten.“




Sonntag, 30. Juni 2013

Letzte Sätze #127

"Als wir an einer Ampel anhielten, sah ich einen Laden für Zauberartikel und fragte den Fahrer, ob dort auch Liebestränke verkauft würden. Er meinte, wenn ich auf Action aus sei, brauchte ich es nur zu sagen. Ich fuhr ins Hotel zurück, und siebzig Minuten später saß ich im Flieger nach Miami."
John D. MacDonald, "Leidenschaft in Rot"

Samstag, 29. Juni 2013

Letzte Sätze #126

"Hoffentlich ist sie nicht auch noch Ausländerin, dachte er.
Denn dann war wirklich der Teufel los."
Deon Meyer, "Schwarz. Weiß. Tot."

Freitag, 28. Juni 2013

Letzte Sätze #125

"'Wie wäre es, wenn ich um 17.30 Uhr käme?'
'Noch lieber um fünf. Vielleicht bin ich aber nicht gerade die Allerfröhlichste.' Sie seufzte. 'Hast du einen Bleistift zur Hand? Schreib dir die Adresse auf.'
Ich zog den Notizblock heran, nahm den Bleistift zur Hand und sagte: 'Ich warte ...'"
John D. MacDonald, "Dunkler als Bernstein"

Mittwoch, 26. Juni 2013

Letzte Sätze #124

"Ganz am Ende der Straße, direkt am Rande der Stadt, lag mein Haus. Ich sah einen grünen Renault Mégane davor stehen, ein Cabriolet, und begann schneller zu laufen."
Deon Meyer, "Weißer Schatten"

Dienstag, 25. Juni 2013

La musique de Montale XLII

"Coltrane spielte. Ich war völlig betrunken, aber ich erkannte 'Out of This World'. Vierzehn Minuten, die eine ganze Nacht verzehren konnten. Mir ging auf, dass Hassan gleich zumachen würde. Immer wieder Coltrane, um einen jeden seiner Gäste zu begleiten. Zu ihren Liebesspielen. In ihre Einsamkeit. Coltrane auf den Weg.
Ich konnte überhaupt nicht mehr aufstehen.
'Du bist schön, Sonia.'
'Und du bist besoffen, Fabio.'
Wir waren in Gelächter ausgebrochen.
Das Glück. Die Möglichkeit. Immer wieder.
Glück."




Montag, 24. Juni 2013

Letzte Sätze #123

"'O ja', sagte er, 'werfen Sie einen Blick auf die Bilder in unserem Innern, wie sie sich verändern und gehen. Es könnte das letzte Mal sein.'"
Derek Raymond, "Wie die Toten leben"

Sonntag, 23. Juni 2013

Samstag, 22. Juni 2013

Letzte Sätze #121

"Draußen leuchtete die Nacht in den reißenden Lichtströmen des Straßenverkehrs und in den Flammen eines Buschfeuers in der Ferne. Lloyd fuhr nach Hause und schlief auf der Couch in seinen Kleidern ein."
James Ellroy, "In der Tiefe der Nacht"

Freitag, 21. Juni 2013

Donnerstag, 20. Juni 2013

Letzte Sätze #119

"Das ruckartige Halten des Fahrzeugs setzt unserer Wirbelsäule übel zu. Im selben Moment rattert eine Salve aus einer automatischen Schusswaffe und versetzt die Seegründe in Aufruhr. Aus dem Staub kommen quer zur engen Fahrbahn zwei nachtschwarze Jeeps zum Vorschein."
Kettly Mars, "Wilde Zeiten"

Mittwoch, 19. Juni 2013

La musique de Montale XLI

"Ich hatte nicht auf Fonfon gehört. Das war ein Fehler. Schläfrigkeit überkam mich. Ich fischte nach einer Kassette von Mongo Santamaría und legte sie ein. 'Mambo terrífico'. Das ging durch und durch. Und ich gab leicht Gas, um so etwas wie frische Luft hereinzulassen. Trotz sperrangelweit geöffneter Fenster zerfloss ich. Von der Pointe-Rouge bis zum Rond-Point mit der Davidstatue wimmelten die Strände von Menschen. Ganz Marseille hatte sich dort versammelt, mit dem Hintern im Wasser, wie Fonfon sagte. Er tat gut daran, die Kneipe zu schließen. Sogar die vollklimatisierten Kinos gaben vor fünf keine Vorstellung."



Dienstag, 18. Juni 2013

Sonntag, 16. Juni 2013

Letzte Sätze #117

"Auf der Brücke, zehn Meter über den versammelten Journalisten, bemühen sich städtische Reinigungskräfte, das Graffito zu entfernen: 'Mörderbullen wir tötn euch'.
Es wird keine achtundvierzig Stunden gehalten haben."
Dominique Manotti, "Einschlägig bekannt"

Samstag, 15. Juni 2013

La musique de Montale XL

"Die Tür war hinter ihr ins Schloss gefallen. Sie war nicht zurückgekommen. Ich hatte sie nicht wieder gesehen, um ihr sagen zu können, dass ich mehr als alles im Leben wünschte, dass sie meine Frau würde. Ich hatte mich vor der entscheidenden Frage gedrückt. Der Entscheidung. Und es war mir keine Lehre gewesen. Ich weiß nicht, was aus Magali und mir geworden wäre. Aber Fonfon wäre mit Sicherheit stolz gewesen, uns beide glücklich zu sehen. Er wäre heute nicht allein. Ich auch nicht.
Als Carlos Gardel zu 'Volver' ansetzte, stellte ich das Radio ab. Es war besser, mit dem Tango und der Wehmut aufzuhören. Das wirkte wie eine Droge auf mich, und ich brauchte einen klaren Kopf."



Freitag, 14. Juni 2013

Letzte Sätze #116

"Aus ihren Augen sprach eine Müdigkeit, die viel größer war als seine.
Und Verlust."
Deon Meyer, "Rote Spur"

Donnerstag, 13. Juni 2013

La musique de Montale XXXIX

"Die Kneipe war brechend voll. Um mich herum rieb sich Ellenbogen an Ellenbogen. B. B. King füllte die Lautsprecher mit 'Rock Me Baby', und alle brüllten mit.
'Na und?'
'Na und! Hören Sie auf, die Unwissende zu spielen! Sie wissen, was los ist. Sie ist in Gefahr. Und Ihr Sohn auch. Daran besteht kein Zweifel. Kein Zweifel!', wiederholte ich, diesmal laut schreiend.
'Wo sind Sie?'
'In einer Kneipe.'
'Das höre ich. Wo?'
'Im 'Maraîchers'. Im La-Plaine-Viertel.'
'Das kenne ich. Bleiben Sie, wo Sie sind. Ich komme.' Sie legte auf.
'Alles klar?', fragte Hassan.
'Ich weiß nicht.'
Er schenkte mir nach, und wir stießen an. Ich ging wieder an den Tisch meiner jungen Freunde.
'Du bist uns voraus', stellte Sébastien fest.
'Das ist so bei den Alten.'"




Mittwoch, 12. Juni 2013

Letzte Sätze #115

"Danach hatte er vor, ins Bett zu kriechen und zu schlafen, den tiefen Schlaf ohne Träume oder Hoffnungen, einen Schlaf ohne Reue, ohne Bewusstsein oder Gedanken daran, warum die Dinge so waren, wie sie waren, und warum doch immer wieder ein Funke von Anständigkeit dem Sog der Schwerkraft widerstand."
Christopher G. Moore, "Stunde null in Phnom Penh"

Dienstag, 4. Juni 2013

Letzte Sätze #114

"Als er zu Boden ging, sah Leamas ein kleines Auto, das zwischen riesigen Lastern zermalmt wurde, das Fenster voll fröhlich winkender Kinder."
John le Carré, "Der Spion, der aus der Kälte kam"

Montag, 3. Juni 2013

La musique de Montale XXXVIII

"Ich ließ den Wagen rollen, die Füße auf dem Boden, und hörte eine alte Aufnahme von Dizzy Gillespie. Als ich die Place d'Aix erreichte, war er bei 'Manteca', einem meiner Lieblingsstücke. Einer der ersten Begegnungen von Jazz und Salsa.
Die Straßen lagen verlassen da. Ich fuhr am Hafen entlang, am Quai de Rive-Neuve, wo noch einige Gruppen Jugendlicher vor dem 'Trolleybus' herumhingen. Ich dachte wieder an Marie-Lou. An die Nacht, die ich mit ihr getanzt hatte. Die Freude, die ich dabei empfunden hatte, hatte mich um Jahre zurückversetzt. In jene Zeit, als noch alles ein Vorwand war, die Nacht durchzumachen. An irgendeinem Morgen, als ich zum Schlafen heimkam, musste ich älter geworden sein. Und ich hatte es nicht gemerkt."



Sonntag, 2. Juni 2013

Letzte Sätze #113

"Arvin ging nordwärts in Richtung Paint Creek. Wenn er sich beeilte, konnte er in einer Stunde an der Route 50 sein. Mit etwas Glück würde ihn jemand mitnehmen."
Donald Ray Pollock, "Das Handwerk des Teufels"

Donnerstag, 23. Mai 2013

Addicted to Graphic Noir

Mindestens 17 Morde, Nekrophilie, Kannibalismus: Jeffrey Dahmer, das "Monster von Milwaukee", hat den Medien alles geliefert, was sie für den Horror der Massen benötigten. Der Zeichner Derf Backderf war ein Schulfreund Dahmers und hat sein Erschrecken über dessen Taten in einer beeindruckenden Graphic Novel verarbeitet. "Mein Freund Dahmer" ist eine sich aus Erinnerungen, Interviews und aufwendiger Recherche speisende semidokumentarische Annäherung an das Kind und den Teenager Jeffrey Dahmer. Sie zeigt, wie aus einem verlachten Außenseiter ein dauerberauschter Freak wird, dem niemand ein Rettungsseil zuwirft, an dem sich das verhaltensauffällige, an seinen perversen Fantasien leidende Kid hätte festhalten können. Niemand kommt als Monster zur Welt, auch Jeffrey Dahmer tat dies nicht, wie Backderfs psychologisch glaubwürdige Rekonstruktion zeigt. Eine Rekonstruktion, in der die Trauer um das entgleiste Leben des Ex-Kumpels ebenso spürbar ist wie das Mitleiden mit den Angehörigen der Mordopfer. "Time" zählte "Mein Freund Dahmer" zu den wichtigsten Sachbüchern des Jahres 2012. Nach der Lektüre weiß man, warum.

Dienstag, 21. Mai 2013

La musique de Montale XXXVII

"Mitten auf der Rue Sainte-Françoise vor dem 'Treize-Coins' wusch ein gewisser José sein Auto, einen Renault 21 in den Farben von Olympique Marseille. Unten blau, oben weiß. Mit passenden Wimpeln am Rückspiegel und dem Fan-Schal auf der Heckablage. Drinnen Musik. Die Gipsy Kings. 'Bamboleo', 'Djobi Djoba', 'Amor, amor' ... The Best of.
Der Straßenarbeiter Sicard hatte den Hydranten am Rinnstein für ihn aufgedreht. José hatte, wenn er wollte, das Wasser der ganzen Stadt zur Verfügung. Ab und zu kam er an Sicards Tisch, setzte sich und trank einen Pastis, ohne seinen Wagen aus den Augen zu lassen. Als sei er ein Sammlerstück. Aber vielleicht träumte er auch nur von dem Pin-up-Girl, das er darin zu einer Spritztour nach Cassis einladen würde. Seinem zufriedenen Lächeln nach zu urteilen dachte er jedenfalls nicht ans Finanzamt. Und José nahm sich Zeit."



Montag, 20. Mai 2013

La musique de Montale XXXVI

"Ihre Hand streichelte meinen Oberschenkel. 'Nimmst du mich mit zu dir?'
'Ich bringe dich wieder nach Aix. Es ist besser für uns beide. Ich bin nur ein alter Trottel.'
'Ich mag alte Trottel auch.'
'Vergiss es, Leila. Finde jemanden, der gescheiter ist. Und jünger.'
Ich sah starr auf die Straße vor uns. Wir tauschten nicht einen Blick. Leila rauchte. Ich hatte eine Kassette von Calvin Russell eingelegt. Er war in Ordnung. Genau das Richtige zum Fahren. Ich wäre quer durch ganz Europa gerollt, nur um die Abzweigung nach Aix nicht nehmen zu müssen. Russell sang 'Rockin' the Republicans'. Leila stoppte die Kassette ohne ein Wort, bevor er 'Baby I Love You' in Angriff nehmen konnte."



Freitag, 17. Mai 2013

Letzte Sätze #112

"Im Morgengrauen ging er bereits über den Lungotevere, die Hände in den Taschen seiner Lederjacke, eine Zigarette zwischen den Zähnen. Er dachte an die Zukunft. Er dachte an Turco, der sich in Scrocchiazeppi verknallt hatte, und dachte an dessen Arbeitgeber, Baron Rosellini.
Wie viel so einer wohl wert war? Eine Milliarde, fünf, zehn?
Einen Versuch war es wert, oder nicht?"
Giancarlo De Cataldo, "Der König von Rom"

Donnerstag, 16. Mai 2013

Letzte Sätze #111

"Ob er glücklich war, wusste er nicht, weil Glück bedeutete, miteinander zu sein, und weil es bedeutete, nicht an Männer mit Mundschutz zu denken und Angst dabei zu haben, kurze Blicke zu spüren aus Angst und aus Hass. Doch wenn er sie sah, war er glücklich, ja schon. Es waren kurze Stunden in seinem Leben. Er war zufrieden."
Astrid Paprotta, "Die ungeschminkte Wahrheit"

Mittwoch, 15. Mai 2013

Letzte Sätze #110

"Ich bin Headhunter. Das ist nicht sonderlich schwer. Aber ich bin der beste von allen."
Jo Nesbø, "Headhunter"

Dienstag, 14. Mai 2013

La musique de Montale XXXV

"Ich stieg wieder in meinen Wagen und legte eine Kassette von Pinetop Perkins ein. 'Blues After Hours'. Für den Rückweg in die Stadt. Der Marseille-Blues gefiel mir immer wieder am besten.
Ich machte einen Umweg über die Küstenstraße. Über die hässlichen Stahlbrücken, die die euromediterranen Landschaftsberater abreißen wollten. In einem Artikel in der Zeitschrift 'Marseille' sprachen sie von 'der kalten, abstoßenden Wirkung dieser Welt aus Maschinen, Beton und vernieteten Balken unter der Sonne'. Idioten!
Der Hafen war großartig aus dieser Perspektive. Man verschlang ihn im Fahren mit den Augen. Die Piers. Frachter. Kräne. Fähren. Das Meer. Das Château d’If und die Frioul-Inseln in der Ferne. Das alles war Balsam für die Seele."



Freitag, 10. Mai 2013

Letzte Sätze #109

"'Es war ein zweiundneunzigjähriger polnischer Greis. Er hat sie plattgemacht, mit seinen beiden Vorderreifen.'
Lucio dachte nach, rollte den Rand der Flasche über seine Lippen.
'Ungefähr so', sagte er und ließ seine einzige Faust niedersausen.
'Ungefähr so', bestätigte Adamsberg.
'Wie der Gerber mit seinen Fäusten.'
Adamsberg lächelte und hob seine Geweihstangen auf.
'Genau', meinte er."
Fred Vargas, "Die dritte Jungfrau"

Donnerstag, 9. Mai 2013

Letzte Sätze #108

"'Schicksal', sagte er. 'Möglichkeiten, Begegnungen. Wechselfälle oder Umstände, die einen - zufällig oder nicht - einer Person oder Sache begegnen lassen.'
Er lächelte und ging zum Viehtransporter zurück, während er elegant die blaue Wanne schwenkte. Der Laster fuhr wieder an und bog um die nächste Kurve.
Adamsberg zog sein Heft aus seiner Gesäßtasche, schlug es auf und notierte, solange er sich noch daran erinnerte, Solimans letzte Definition."
Fred Vargas, "Bei Einbruch der Nacht"

Mittwoch, 8. Mai 2013

La musique de Montale XXXIV

"Mourads Stimme unterbrach mein Gegrübel. Sein Ton überraschte mich. Traurig. 'Das hat mein Vater früher auch gehört. Meine Mutter mochte es gern.'
'Warum? Hört er es nicht mehr?'
'Redouane sagt, es ist Sünde.'
'Der Sänger da? Lili Boniche?'
'Nein, die Musik. Dass Musik zu Alkohol, Zigaretten und Mädchen gehört. Zu all dem.'
'Aber du hörst Rap?'
'Nicht, wenn er da ist. Er ...'

 'Oh großer Gott, erbarme dich,
Lass mich meine Lieben sehen
und die Herzenspein vergehen ...'

 Jetzt sang Lili Boniche 'Alger, Alger'."

 
 

Montag, 6. Mai 2013

La musique de Montale XXXIII

"Sie spielten mir die Fonky Family vor, junge Leute aus dem Panier und Belsunce - die bei den Bad Boys aus Marseille mitgemacht hatten - und die Band Troisième Œil, die direkt aus den nördlichen Vierteln entsprungen war. Rap war wahrhaftig nicht mein Ding, aber ich war immer wieder verblüfft, was er zu erzählen hatte. Die treffsicheren Worte. Die Qualität der Texte. Sie sangen von nichts anderem als dem Leben ihrer Kumpel auf der Straße oder im Knast. Auch davon, wie leicht es sich starb. Und von den Jugendlichen, die in der Psychiatrie endeten. Eine Wirklichkeit, mit der ich jahrelang zu tun gehabt hatte."
 
 

Sonntag, 5. Mai 2013

La musique de Montale XXXII

 "Als er gegangen war, setzte ich mich wieder an die Bar. Trank mit dem einen oder anderen und natürlich mit Hassan, der keine Runde ausließ. Ich lauschte den Gesprächen. Und der Musik. Nach der offiziellen Stunde für den Aperitif spielte Hassan jetzt Jazz statt Ferré. Er suchte die Stücke sorgfältig aus. Als ob er den richtigen Ton für die jeweilige Stimmung treffen wollte. Der Tod zog sich zurück, sein Geruch. Und kein Zweifel, ich bevorzugte den Anisgeruch.
'Ich ziehe den Anisgeruch vor', hatte ich Hassan zugerufen.
Ich begann, langsam betrunken zu werden.
'Klar.'
Er hatte mir zugezwinkert. Ganz Komplize. Und Miles Davis hatte 'Solea' angestimmt. Das Stück verehrte ich. Seit Lole mich verlassen hatte, hörte ich es nachts pausenlos.
'Die soleá', hatte sie eines Abends erklärt, 'ist das Rückgrat des gesungenen Flamenco.'"
 
 

Samstag, 4. Mai 2013

Letzte Sätze #107

"Er setzte mir die Spitze des Schraubenziehers auf den obersten Punkt des Schädels.
Und ich sah - die beiden Siebener, die aufeinandertreffen, und wieder geschieht es, immer wieder, Stiefel auf Oberschenkeln, ein Schlüpfer, der an einem Baum baumelt, hochgeschobene BHs, ausgeweidete Bauchhöhlen und Brüste, eingeschlagene Schädel (...) ich stehe vor der Tür und klopfe, die Schlüssel zu Tod und Hölle und zum Mysterium der Frau, und ich weiß, dies ist der Grund, warum Menschen sterben, dies ist der Grund, warum Menschen, 1977, dies ist der Grund, und ich sehe ...
Er schlug zu.
... keine Zukunft."
David Peace, "1977"

Freitag, 3. Mai 2013

Letzte Sätze #106

"Adamsberg ging langsam den Boulevard hinauf und stellte sich vor, wie in Kiseljevo die Baumstümpfe um das Grab verfaulten.
Wo werden sie wieder wachsen, Peter?"
Fred Vargas, "Der verbotene Ort"

Donnerstag, 2. Mai 2013

Letzte Sätze #105

"Macquart schaltete das Radio aus.
'Du hast dich richtig entschieden, als du zu mir kamst. Schade, dass du deiner Idee nicht konsequent gefolgt bist.' Dann, mit einem nicht zu deutenden dünnen Lächeln auf den Lippen: 'Am Ende siegt immer das Recht. Von kleinen Ausnahmen abgesehen.'"
Dominique Manotti, "Roter Glamour"

Mittwoch, 1. Mai 2013

Letzte Sätze #104

"Ich will Dir etwas sagen, und vielleicht ist dies überhaupt das letzte Mal, dass ich dem Drang nachgebe, meine Gedanken oder irgend etwas, was mich betrifft, schreibend zu veräußern: Es gibt einen sogenannten primitiven Stamm in der Südsee, bei dem die Eltern ein unerwünschtes Kind gleich nach der Geburt in der Wildnis aussetzen, und das will mir immer noch humaner erscheinen als
(Hier endet die Seite. Weitere Briefbögen mit einer Niederschrift sind mir nicht zugänglich geworden.)"
Helga Riedel, "Ausgesetzt"

Dienstag, 30. April 2013

Letzte Sätze #103

"Fehlte nur noch der Beweis, dass Casement Kitty erschossen hatte, aber immer eins nach dem anderen."
Garry Disher, "Flugrausch"

Montag, 29. April 2013

Letzte Sätze #102

"Halb acht: drei Stunden noch. Matty beschloss, sitzen zu bleiben und zu warten. Lieber von Angesicht zu Angesicht."
Richard Price, "Cash"

Freitag, 26. April 2013

La musique de Montale XXXI

"Die D 559 war eine kurvenreiche Straße. Eng. Gefährlich.
ZZ Top begannen mit dem 'Long Distance Boogie'. Billy Gibbons war verdammt gut! Ich nahm die Steigung mit hundertzehn, den Safrane an der Stoßstange. Der Saab kam mir ein wenig lahm vor, aber er reagierte gut. Gélou hatte ihm bestimmt noch nie eine solche Fahrt zugemutet."
 
 

Donnerstag, 25. April 2013

La musique de Montale XXX

"Auf der Terrasse war das Frühstück fertig. Bob Marley sang 'Stir It Up'. Das passte gut zu diesem Tag. Blauer Himmel, spiegelglattes Meer. Die Sonne begrüßte uns schon. Babette hatte meinen Bademantel übergezogen. Sie strich Butter aufs Brot, eine Zigarette im Mundwinkel, und bewegte sich fast unmerklich zum Rhythmus der Musik. Für den Bruchteil einer Sekunde existierte das Glück."
 
 

Mittwoch, 24. April 2013

Letzte Sätze #101

"Und so komme ich zum Abschluss mit der Feststellung, dass jedes menschliche Handeln eine Verteidigung der Autonomie ist. Unabhängigkeit entsteht wie das Ausüben der Liebe aus dem Bedürfnis, zu verstehen und verstanden zu werden. Wo es eine gemeinsame Sprache gibt, leben die Menschen glücklich bis an ihr Lebensende. Wo es keine gibt, explodiert der eine in einem Roman, der andere mit einer Bombe. Wie Liebende erschaffen, so vernichten Attentäter im Traum. Liebende träumen vom Licht und gehen in den anderen ein, aber der Killer träumt von der Dunkelheit und geht abwesend durch den anderen hindurch."
Derek Raymond, "Die verdeckten Dateien"

Dienstag, 23. April 2013

Letzte Sätze #100

"'Wo ist der Rest der Einsatztruppe?', wollte Boss Man in holprigem Englisch wissen. 'Wo sind Ihre Leute?'
'Die Einsatztruppe bin ich', gab Emmanuel zurück. 'Sonst ist keiner da.'"
Mala Nunn, "Lass die Toten ruhen"

Montag, 22. April 2013

Letzte Sätze #99

"Er rollte eine Matte vor dem Schreibtisch aus, und nachdem sie sich geliebt hatten, ließ er sie ihre Schuhe ausziehen. Dann glitt er in den Schlaf."
Christopher G. Moore, "Nana Plaza"

Sonntag, 21. April 2013

Letzte Sätze #98

"Ich wandte meine Bitte an Betty, mir im Austausch gegen meine Liebe sicheres Geleit zu geben."
James Ellroy, "Die Schwarze Dahlie"

Freitag, 19. April 2013

Kriminalliteratur im Netz

Zum Erinnern, Entdecken und Wiederentdecken:

http://www.flubow.ch/

So stellt sich die Seite selbst vor:
"Die Mainstreamschreiber Leon, Mankell und Dan Brown sind in aller Munde, ihre Bücher verstopfen die Buchläden. Klassiker wie Simenon, Chandler und Hammett werden immer wieder aufgelegt und auch im deutschsprachigen Raum von ihrem Verlag recht liebevoll gepflegt. Den grossen amerikanischen Krimiautor James Crumley kennt keiner, auf Deutsch sind sechs seiner sieben Werke in drei verschiedenen Verlagen als mehr oder weniger schäbige Taschenbücher erschienen, sie sind mit einer Ausnahme längst vergriffen und zum Teil nicht einmal mehr in den Internetantiquariaten erhältlich. Über John Wainwright, den 1995 verstorbenen Verfasser von über achtzig erstklassigen Kriminalromanen, gibt es heute einzig in der italienisch-sprachigen Website 'Last of the Independents - Luca Conti's One-Man Band' (lconti.com) brauchbare Informationen.
Hier werden Krimiautoren gewürdigt, die im deutschsprachigen Raum unverdient ins Abseits geraten sind oder dieses gar nie verlassen haben. Vergessene und verschmähte Krimiautoren von Rang, deren Werke (oft, aber nicht immer) auch in ihrem Herkunftsland kaum mehr erhältlich sind. Die Liste wird immer länger, die Gründe sind vielfältig, in der Regel natürlich verlagsstrategischer Natur. Krimiautoren, die fallen gelassen werden, weil sie zu wenig trendig schreiben, weil ihr Blick auf die Gesellschaft zu kritisch oder zu pessimistisch ist oder weil sie nicht mehr ins Verlagskonzept passen; aber auch Krimiautoren, die hier zu Lande keine Leser fanden, weil ihre Werke auf schamlose Art verhunzt worden sind: schauderhafte Übersetzungen, Kürzung auf die lange Zeit obligaten 150 Seiten, scheussliche, den potentiellen Käufer in die Irre führende Covers.
Die Auswahl ist subjektiv gefärbt. Zu finden sind "Eintagsfliegen" wie Elisabeth Bowers, Davide Ferrario, Leonard Schrader und Bernard Toms, originelle Aussenseiter wie John Barker, Adam Diment und Victor Headley, solide Arbeit verrichtende angloamerikanische "B-Autoren" (von ihnen gibt es viele!), aber auch literarische Schwergewichte wie Derek Raymond, Julian Rathbone, Pete Dexter, Richard Price, Robert Stone, Lawrence Block und die bereits erwähnten Crumley und Wainwright. Geliefert werden biografische Daten, eine möglichst vollständige Bibliografie mit originalen und deutschen Titeln, knappe Zusammenfassungen und Wertungen der wichtigsten Werke (Schwerpunkt: Romane) und kurze Beschreibungen von Serienfiguren."

Donnerstag, 18. April 2013

Letzte Sätze #97

"Er kannte dieses Lied.
'Waitin' on a Sunny Day' von Bruce Springsteen.
Im ersten Moment war ihm unheimlich zumute. Aber als der erste Schreck vorüber und der kalte Schauder abgeklungen war, fing er an zu lächeln, zaghaft zunächst und dann immer breiter, als er sich auf den Song einließ und das Undenkbare tat: Er fing an mitzusingen, mit Bruce - aus vollem Herzen zu singen, obwohl er den Text nicht kannte und nicht wusste, was als Nächstes kam."
Nick Stone, "Todesritual"
 
 

Mittwoch, 17. April 2013

Letzte Sätze #96

"Die Musik war zu sanft und zu traurig, wie ein Klagelied auf eine Zeit, da alles billiger zu haben war. Dennoch hörte er zu. Die Stücke ließen ihn an sich und Mal und den armen Danny Upshaw denken. Schwere Jungs, korrupte Cops und Rotenjäger. Drei gefährliche Männer, deren Spur sich im Nichts verlor."
James Ellroy, "Blutschatten"

Dienstag, 16. April 2013

Letzte Sätze #95

"Nach einem Moment verdunkelte sich sein Gesicht jedoch, und er sagte: 'Ich nehme an, keiner hat sich den Namen mit Absicht ausgesucht, oder?'
'Also, um die Wahrheit zu sagen', erwiderte ich, 'doch, ich. Ich fand, es war langsam mal Zeit, dass hier jemand anders einen Witz reißt.'"
Derek Raymond, "Der Teufel hat Heimaturlaub"

Montag, 15. April 2013

La musique de Montale XXIX

"Ich legte die Kassette von Bob Marley mit 'Slave Driver' wieder ein, um mir Mut zur Tat zu machen. Entlang der Eisenbahngleise an der Rue Honorat beschleunigte ich ein wenig. Der Safrane reagierte kaum auf meine siebzig Stundenkilometer. Ich ging wieder auf normale Geschwindigkeit herunter."