Dienstag, 5. August 2014

Letzte Sätze #292


„Wenn man sich die Mühe machen will, kann man die Schanklizenz nachprüfen, und dann stellt man fest, dass sie ausgestellt ist auf den Besitzer, der McCorkle heißt, und einen Mann namens Michael Padillo, als dessen Adresse ein Apartment im Mayflower Hotel angegeben wird. Der Besitzer hat einmal eine Postkarte aus Dahomey in Westafrika erhalten. Es stand nur ,Well‘ darauf, und sie war mit einem ,P‘ unterzeichnet. Seither erscheint in der Londoner ,Times‘ jeden Dienstag unter ,Persönliches‘ die gleiche Anzeige. Sie lautet: Mike. Alles vergeben. Komm nach Hause. Die Weihnachtshilfe.“

Ross Thomas, „Kälter als der Kalte Krieg“

Sonntag, 3. August 2014

Letzte Sätze #291


„Sie tranken ihr Bier aus und holten sich ein neues, und dann nahmen sie sich auf der Caledonian Road ein Taxi und ließen sich zu einem Restaurant in Camden Town fahren, wo sie, so versicherte Perkins, niemand erkennen würde.“

David Ignatius, „Der Deal“

Freitag, 25. Juli 2014

Letzte Sätze #290


„,Ich bin bei dir‘, sagte sie. ,Ich werde immer bei dir bleiben. Das ist meine Belohnung und meine Strafe …‘ Er sah sie an, dankbar dafür, dass sie da war, dass sie existierte, und als er den Blick zum Fenster hob, sah er einen runden Mond, der die Dunkelheit durchbrach und einen jetzt strahlenden Himmel beleuchtete, wo vielleicht Violeta del Río Gott etwas vorsang, Jahrhundert um Jahrhundert, einen unbeschreiblichen Bolero mit einem glücklichen Ende.“

Leonardo Padura, „Der Nebel von gestern“

Samstag, 19. Juli 2014

Letzte Sätze #289


„Wie viele Tage und Wochen waren vergangen, seit er das Licht eingeschaltet und die Tür verschlossen hatte und nach Karjasaari gefahren war? Er wusste es nicht. Er versuchte, darüber nachzudenken, aber es ging nicht. Er dachte an den Weihnachtsbaum, die einen Meter hohe Tanne, die Larissa vor genau einem Jahr aus dem Wald in sein Wohnzimmer getragen hatte. Nebeneinander hatten sie gestanden und den Baum betrachtet, und er hatte ein ganz bestimmtes Lächeln auf seinem Gesicht gespürt. Ein Lächeln, das jetzt, endlich, zurückkehrte. Er stieg aus und ging den Abhang hinauf auf das Haus zu, das im Dunkel lag.“

Jan Costin Wagner, „Das Licht in einem dunklen Haus“